Stellen Sie sich vor, Sie installieren eine neue Serversoftware und stellen anschließend fest, dass sie Ihre Hardware nicht unterstützt, nicht alle Benutzer abdeckt oder nicht die benötigten Virtualisierungsrechte enthält. Eine zunächst einfache Entscheidung kann dadurch schnell zu Kompatibilitätsproblemen, unerwarteten Kosten und Lizenzierungsfragen führen.
Wenn Sie Windows Server online kaufen möchten, sollten Sie zunächst ermitteln, welche Version und Edition Ihre bestehende Infrastruktur unterstützt. Prüfen Sie außerdem den Lizenztyp, die benötigten Clientzugriffslizenzen, die Installationsmethode und die Herkunft der Software.
Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Faktoren, die Sie vor dem Onlinekauf einer Windows-Server-Software berücksichtigen sollten.
1. Die richtige Windows-Server-Version auswählen
Microsoft hat verschiedene Windows-Server-Versionen veröffentlicht, darunter Windows Server 2016, 2019, 2022 und 2025. Jede Version bietet unterschiedliche Funktionen, Hardwareanforderungen, Kompatibilitätsbedingungen und Supportzeiträume.
Für eine neue Bereitstellung eignet sich in der Regel eine aktuellere Version, da sie einen längeren Supportzeitraum und modernere Sicherheitsfunktionen bietet. Eine ältere Version kann jedoch erforderlich sein, wenn eine vorhandene Anwendung, ein Gerät oder ein Geschäftssystem die neueste Version nicht unterstützt.
Prüfen Sie vor der Auswahl:
- Kompatibilität der Anwendungen
- Unterstützung von Hardware und Treibern
- Bestehende Domänen- und Netzwerkanforderungen
- Kompatibilität der Backup-Software
- Unterstützung der Virtualisierungsplattform
- Benötigte Sicherheitsfunktionen
- Herstellersupport für Geschäftsanwendungen
- Zukünftige Upgrade-Pläne
2. Standard, Datacenter und Essentials vergleichen
Die Auswahl der richtigen Edition ist einer der wichtigsten Schritte beim Kauf von Windows Server.
Windows Server Standard
Die Standard Edition wurde für physische Server und Umgebungen mit begrenzter Virtualisierung entwickelt. Sie wird häufig für Dateispeicherung, Druckdienste, Benutzerverwaltung, kleinere Anwendungsserver und andere typische Unternehmensaufgaben eingesetzt.
Wenn Windows Server Standard entsprechend den physischen Prozessorkernen lizenziert wird, umfasst die Lizenzierung im Allgemeinen Rechte für zwei Betriebssystemumgebungen, nachdem alle erforderlichen Serverkerne lizenziert wurden.
Windows Server Datacenter
Die Datacenter Edition richtet sich an stark virtualisierte und softwaredefinierte Umgebungen. Wenn alle physischen Kerne ordnungsgemäß lizenziert sind, dürfen auf dem lizenzierten Server grundsätzlich unbegrenzt viele virtuelle Betriebssystemumgebungen ausgeführt werden.
Datacenter verursacht möglicherweise höhere Anfangskosten, kann jedoch besser geeignet sein, wenn auf einem physischen Host zahlreiche virtuelle Windows-Server-Maschinen betrieben werden sollen.
Windows Server Essentials
Essentials ist für kleinere Unternehmen vorgesehen. Microsoft beschreibt Windows Server 2025 Essentials als eine ausschließlich über OEMs erhältliche Edition für Unternehmen mit bis zu 25 Benutzern und 50 Geräten.
| Edition | Geeignete Umgebung | Virtualisierungsbedarf |
| Essentials | Kleine Unternehmen mit wenigen Benutzern und Geräten | Minimal |
| Standard | Physische oder leicht virtualisierte Server | Gering bis mittel |
| Datacenter | Stark virtualisierte Rechenzentren | Hoch |
Die richtige Edition hängt nicht nur von der Unternehmensgröße, sondern vor allem von der vorhandenen Infrastruktur ab.
3. Die kernbasierte Lizenzierung verstehen
Windows Server Standard und Datacenter werden grundsätzlich nach Prozessorkernen lizenziert. Die benötigte Anzahl an Lizenzen richtet sich daher nach der Zahl der physischen Kerne im Server.
Bei der Lizenzierung von Windows Server 2025 nach physischen Kernen verlangt Microsoft:
- Lizenzierung jedes physischen Kerns im Server
- Mindestens acht Kernlizenzen pro physischem Prozessor
- Mindestens 16 Kernlizenzen pro physischem Server
Kernlizenzen sind in Paketen erhältlich, häufig als 2-Core- und 16-Core-Pakete. Verfügt ein Server über mehr als 16 physische Kerne, werden zusätzliche Kernlizenzen benötigt.
4. Prüfen, ob CALs benötigt werden
Eine Serverlizenz deckt nicht automatisch jeden Benutzer oder jedes Gerät ab, das auf den Server zugreift. Für Windows Server Standard und Datacenter werden üblicherweise Client Access Licenses, kurz CALs, benötigt.
Es gibt zwei zentrale Arten:
- User CAL: Lizenziert einen Benutzer, der von mehreren Geräten auf den Server zugreifen darf.
- Device CAL: Lizenziert ein Gerät, das von mehreren Benutzern verwendet werden kann.
Eine User CAL kann praktischer sein, wenn Beschäftigte über Desktop-PCs, Laptops und Mobilgeräte auf den Server zugreifen. Eine Device CAL kann wirtschaftlicher sein, wenn mehrere Personen eine begrenzte Anzahl gemeinsam genutzter Computer verwenden.
5. Virtualisierungspläne berücksichtigen
Der geplante Virtualisierungsumfang kann maßgeblich beeinflussen, welche Edition wirtschaftlicher ist.
Windows Server Standard kann geeignet sein, wenn nur wenige virtuelle Maschinen benötigt werden. Nach der vollständigen Lizenzierung aller erforderlichen physischen Kerne bestehen im Allgemeinen Rechte für zwei Betriebssystemumgebungen. Für weitere Gruppen virtueller Maschinen ist eine zusätzliche Lizenzierung erforderlich.
Windows Server Datacenter bietet umfassendere Virtualisierungsrechte, sofern alle physischen Kerne ordnungsgemäß lizenziert wurden. Die Edition kann daher für Hosts mit zahlreichen virtuellen Windows-Server-Maschinen kostengünstiger sein.
Berechnen Sie vor dem Kauf:
- Anzahl der physischen Hosts
- Anzahl der Prozessoren und Kerne pro Host
- Aktuell benötigte virtuelle Maschinen
- Erwartetes Wachstum der Virtualisierungsumgebung
- Mögliche Verschiebung von Workloads zwischen Hosts
- Bedarf an Software Assurance oder Abonnementrechten
6. Hardwarekompatibilität bestätigen
Die Serverhardware muss die Anforderungen der ausgewählten Windows-Server-Version erfüllen. Zu den wichtigen Komponenten und Voraussetzungen gehören:
- Prozessorarchitektur und -geschwindigkeit
- Installierter Arbeitsspeicher
- Verfügbarer Speicherplatz
- Netzwerkadapter
- Firmware- und Sicherheitsfunktionen
- Speichercontroller
- Verfügbarkeit geeigneter Treiber
- Anforderungen an das Trusted Platform Module
- Unterstützung von Virtualisierungsfunktionen
Microsoft weist darauf hin, dass die tatsächlichen Anforderungen von den installierten Rollen, Anwendungen und Workloads abhängen. Das bloße Erfüllen der Mindestanforderungen gewährleistet in einer Produktivumgebung möglicherweise keine ausreichende Leistung.
7. Den Lizenztyp überprüfen
Prüfen Sie beim Onlinekauf genau, welcher Lizenztyp angeboten wird.
Retail-Lizenz
Eine Retail Lizenz beziehungsweise ein Full Packaged Product wird normalerweise unabhängig von der Hardware erworben. Die jeweiligen Installations- und Übertragungsrechte ergeben sich aus den mitgelieferten Lizenzbedingungen.
OEM-Lizenz
Eine OEM-Lizenz wird normalerweise zusammen mit der Serverhardware bereitgestellt und ist grundsätzlich an das ursprüngliche Gerät gebunden. Sie bietet möglicherweise nicht dieselben Übertragungsrechte wie eine Retail-Lizenz.
Volumen- oder kommerzielle Lizenzierung
Unternehmen können Windows Server über Microsoft-Programme zur kommerziellen Lizenzierung erwerben. Abhängig vom jeweiligen Programm und einer möglicherweise enthaltenen Software Assurance können diese Vereinbarungen eine zentrale Verwaltung und zusätzliche Nutzungsrechte bieten.
Microsoft nennt Onlinehändler, OEMs und Partner für kommerzielle Lizenzierung als anerkannte Bezugsquellen für Windows Server. Prüfen Sie dennoch vor dem Kauf stets die konkreten Lizenzbedingungen.
8. Anbieter und Produktdetails prüfen
Ein niedriger Preis allein bestätigt weder die Eignung noch die Rechtmäßigkeit eines Windows-Server-Angebots. Kontrollieren Sie vor dem Kauf:
- Vollständige Produkt- und Editionsbezeichnung
- Windows-Server-Version
- Anzahl der enthaltenen Kernlizenzen
- Lizenztyp und Nutzungsrechte
- Ob CALs enthalten oder separat erhältlich sind
- Produktsprache
- Anzahl der erlaubten Installationen
- Bereitstellungsart
- Downloadquelle
- Aktivierungsanleitung
- Verfügbarkeit einer Rechnung
- Rückerstattungsbedingungen
- Kundensupport
9. Sicherheit, Backups und Wartung planen
Der Erwerb einer Serverlizenz ist nur ein Bestandteil einer sicheren Bereitstellung. Erstellen Sie vor dem produktiven Einsatz einen Wartungs- und Wiederherstellungsplan.
Dieser sollte folgende Punkte umfassen:
- Regelmäßige Sicherheitsupdates
- Eingeschränkte Administratorrechte
- Multi-Faktor-Authentifizierung, sofern unterstützt
- Firewall-Konfiguration
- Endgeräteschutz
- Sicherer Remotezugriff
- System- und Datensicherungen
- Offline oder besonders geschützt aufbewahrte Backups
- Regelmäßige Wiederherstellungstests
- Überwachung von System- und Sicherheitsereignissen
- Dokumentierte Update-Prozesse
Ältere Windows-Server-Versionen können kürzere verbleibende Supportzeiträume haben oder besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordern. Prüfen Sie deshalb vor dem Erwerb einer älteren Version den jeweiligen Produktlebenszyklus.
10. Gesamtkosten berechnen
Der angegebene Preis der Serverlizenz kann nur einen Teil der tatsächlichen Gesamtkosten darstellen. Ihr Budget sollte gegebenenfalls auch folgende Ausgaben berücksichtigen:
- Zusätzliche Kernlizenzen
- User CALs oder Device CALs
- Remote Desktop Services CALs
- Serverhardware
- Backup-Speicher
- Antiviren- und Sicherheitstools
- Virtualisierungsinfrastruktur
- Installation und Konfiguration
- Migrationsleistungen
- Laufende Administration
- Zukünftige Upgrades
Fazit
Berücksichtigen Sie vor dem Kauf nicht nur den Produktpreis. Wenn Sie Server online kaufen, wählen Sie die passende Version und Edition, berechnen Sie die erforderlichen Kernlizenzen, prüfen Sie den CAL-Bedarf und bestätigen Sie die Kompatibilität mit Ihrer Hardware und Ihren Anwendungen.
Die ausgewählte Serverlizenz sollte sowohl zu Ihrer aktuellen Infrastruktur als auch zu Ihren zukünftigen Wachstumsplänen passen. Kontrollieren Sie außerdem den Anbieter, die Bereitstellungsart, die Lizenznachweise und die Supportbedingungen, bevor Sie den Kauf abschließen.
